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xx Warum viele Urlauber diesen Sommer in einem weißen Flugzeug sitzen werden


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Wer sich aktuell an deutschen Flughäfen aufhält, sieht unglaublich viele komplett weiße Flugzeuge, deren Inhaber man einzig an der Registrierung – also dem Nummernschild des Flugzeuges erkennen kann.


Viele Urlauber werden dieses Jahr in einem Flugzeug von sogenannten Wetlease-Anbietern aus dem Baltikum oder Osteuropa sitzen, obwohl Sie bei Marabu, Condor, Eurowings und Co gebucht haben.

Doch nicht immer das so leicht zu bemerken – denn bei längeren Einsätzen für eine Sommersaison oder auch mehrere Jahre werden die Flugzeuge in der Livery des Auftraggebers bemalt oder zumindest mit einem entsprechenden Logo in einem Hybrid-Livery entsprechend angepasst. In diesem Fall deuten die Registrierung und der Zusatz operated by, meist rechts neben der Tür 1A – also vorne links – angebracht auf den Betreiber hin.

Dieses Vorgehen ist tatsächlich komplett legal, sofern der Anbieter bei der Buchung auf den Operator hinweist. Dies geschieht oft allerdings nur unter Flugdetails, wenn man also konkret auf die Flugnummer klingt wo Flugdetails wie der geplante Flugzeugtyp und eben der Operator angegeben sind.

Viele kennen das zum Beispiel von Lufthansa, wo seit Jahren Flüge von verschiedenen Tochtergesellschaften wie Lufthansa CityLine oder Air Dolomiti auf regionalen Strecken durchgeführt werden. In beiden Fällen handelt es sich Tochtergesellschaften aus dem eigenen Konzern, die insbesondere gegründet wurden um Piloten und Flugbegleiter zu geringeren Löhnen und Gehältern beschäftigen zu können als im Kerntarifvertrag der Mainline festgelegt. Dies ist auch weit verbreitet – Air France HOP, BACityflyer, Iberias Express und Air Nostrum oder natürlich das amerikanische Konstrukt wo Fremdairlines Regionaldienste im Auftrag von United, Delta, American und Co. fliegen. In all diesen Fällen ist es als unproblematisch zu sehen – da der Kunde das weiß und e

ben das Produkt z.B. United Express oder BACityFlyer bekommt wie erwartet.

Eurowings, Marabu oder Condor gebucht und Osteuropäischen Billiganbieter bekommen

Auch wenn dies rational nicht zu begründen ist – möchten vor allem ältere Deutsche immer noch gern mit Deutschen Airlines oder Deutschen Anbietern fliegen und verreisen – auch wenn das zumeist komplett rational betrachtet eine ziemlich schlechte Idee ist – da man viele weniger für sein Geld bekommt als bei der ausländischen Konkurrenz, auch gerade wegen der extrem hohen Kosten in Deutschland.

Man muss hier noch zwischen Pauschalreisenden die eine Pauschalreise bei TUI, Alltours, Schau-ins-Land und Co. mit einer Angabe wie z.B. „Condor, SunExpress“ oder vergleichbar buchen und die exakten Flugdaten erst kurz vor dem Abflug bekommen und tatsächlich in vielen Fällen die Katze im sack kaufen und kaum Möglichkeiten haben unterscheiden und reinen Flugbuchung. Wer eine solche Pauschalreise bucht, weiß, dass er in einer umgangssprachlichen „Never Come Back Airline“ transportiert werden kann. Das ist Teil des Systems – und sichert die extremen Gewinne der Reiseveranstalter die vom deutschen Kunden der die lokalen Preise nicht kennt exorbitant viel Geld einnehmen, aber beim Transport oft die billigsten Anbieter aus dem Zielgebiet für Flug aber eben auch Hotel und Transfer verpflichten – und Hotels gegeneinander ausspielen. Wer sich informieren möchte spricht einfach mal mit dem Hotelpersonal in Tunesien, der Türkei oder einem anderen Urlaubsland über deren Arbeitsbedingungen.

Schon seit Jahren setzen Deutsche „Premiumanbieter“ wie TUI und Co auf Billig- Anbieter aus den Heimatmärkten wie FlyEgypt, Bulgarian AirCharter, Freebird und Co. Es werden also nicht die guten Airlines wie Turkish Airlines, Egypt Air, Bulgaria Air verpflichtet, sondern der billigste Anbieter. Prinzipiell sind Airlines aus Zielgebieten nichts Schlechtes, eine Turkish Airlines z.B. einer Lufthansa beim Bordprodukt haushoch überlegen.

Flug mit Condor oder Eurowings gebucht – Heston, Avion Express und Co stehen am Gate

Wer eine reine Flugbuchung vornimmt muss bei der Flugbuchung über die durchführende Airline informiert werden. So kann man einen Condor Flug buchen der allerdings zum Beispiel planmäßig von einer anderen Fluglinie durchgeführt wird, z.B. Heston. Das steht dann in den Flugdetails.

Dafür muss man bei der Buchung auf „Flugdetails“ unter der Flugnummer klicken. Andenfalls sieht der Kunde eine DE Flugnummer – was aber natürlich stimmt. Denn das Flugzeug mitsamt Crew des Wetlease-Anbieters nutzt die entsprechende Flugnummer von Condor, Eurowings und Co. Hier ein Screenshot dazu.

Oftmals buchen Urlauber aber Monate im Voraus, und so kann es kommen, dass zum Zeitpunkt der Buchung von der Fluglinie geplant wird ein eigenes Flugzeug zu nutzen.

Später aber das eigene Flugzeug auf eine andere Strecke geplant wird und der Wet-Lease-Flug auf die ursprüngliche Strecke des Kunden gesetzt wird. Gründe dafür können eine bessere oder schlechtere Buchungslage als erwartet sein, oder aber im aktuellen Umfeld auch Personalmangel bei eigenen Piloten und Flugbegleitern an einem Standort. Findet die Fluglinie in München leichter neue Piloten als in Frankfurt würde der eigene Flieger dann München geschoben und dort bereedert und in Frankfurt eine Wet-Lease-Fluglinie aus Ost- oder Südeuropa beauftragt. Der Kunde muss darüber per Mail in Kenntnis gesetzt werden – was zumeist durch das erneute Übersenden der Buchungsbestätigung mit neuem Flugzeugtypt/Betreiber geschieht. Wer nicht geübt ist, bemerkt dies möglicherweise nicht.

Wechsel beim durchführenden Flugzeug sind bis kurz vor Abflug möglich und üblich im Flugbetrieb. Zum Beispiel aufgrund kurzfristig auftretender technischer Probleme und einer verspäteten Ankunft des geplanten Flugzeuges vom letzten Sektor.

Kunden fühlen sich verschaukelt – Airline handelt aber legal

Im letzten Absatz haben wir erklärt wie es sein kann, dass Sie einen Flug mit einer Deutschen Fluglinie wie Eurowings oder Condor gebucht haben aber in einem Flugzeug von Avion Express, GetJet, HiFly oder vergleichbar landen. Das wäre an sich auch kein Problem – wären Deutsche Airlines nicht nur exorbitant teuer im Vergleich zur internationalen Konkurrenz, sondern würden auch die angeblichen Sozialstandards wie eine Monstranz vor sich hertragen um die bessere, günstigere Konkurrenz gegen die man nicht ankommen kann zu diffamieren.

Viele unbedarfte Menschen, die etwas Gutes tun wollen glauben das Märchen vom Marketing und wollen mit einem guten Gefühl reisen, buchen daher teilweise zum zehnfachen Preis bei einem Deutschen Anbieter, anstatt bei einer hochseriösen aber medial von der Deutschen Tourismusindustrie dauerbeschossenen Fluglinie wie Ryanair zu fliegen. Deutsche Löhne, Mitbestimmungen, Gewerkschaften, angeblich tolle Arbeitsbedingungen und angebliche Nachhaltigkeit plus ein paar Phrasen zum Klima. Schon fühlt sich der ARD&ZDF Zuschauer überzeugt und wohl und selbst der Grünenwähler bucht mit gutem Gefühl.

In der Praxis sitzt der Urlauber und Fluggast dann oft wahlweise in einer untarifierten Airline aus dem Zielgebiet, oftmals auch mit recht alten nach lokalen Standards gewarteten Flotten mit höherem CO2 Austoss bei Pauschalreisen oder aber in einem komplett weißen Flugzeug einer osteuropäischen Billigairline ohne jede Tarifbindung – deren Crews weit unterhalb der Standards von Ryanair verdienen und zum Teil deutlich schlechter geschult sind.

Dabei war es genau die Tarifbindung die stets beworben wurde für deutsche Qualität und faires Reisen und für die Buchungsentscheidung ausschlaggebend war. Der Kunde zahlt dem Deutschen Anbieter zum Teil den doppelten Preis oder mehr, bekommt aber oftmals das genaue Gegenteil.

Der Kunde fühlt sich dann emotional zurecht betrogen, obwohl die Airline im Sinne des Luftfahrtrechts korrekt handelt.

Die bessere Lösung für den Kunden und Buchenden ist natürlich direkt bei der passenden ausländischen Alternative einzubuchen, wo ich vorher weiß was ich bekomme und zwischen seriösem und günstig zuverlässigem Transport (Ryanair-Gruppe) bis hin zu extrem komfortablen Reisen (Emirates, Turkish Airlines etc) entscheiden kann.

Deutsche Airlines hätten dann die Wahl die Preise zu senken, das Produktniveau dem Preis anzupassen oder aus dem Markt auszuscheiden. In diesem Falle könnten auch die tatsächlich vorhandenen Standortnachteile Deutscher Airlines offen thematisiert und Druck auf die Politik ausgeübt werden gegen Flugpreiswucher durch überhöhte Steuer&Gebühren, Vorschriften, überteuerte Airports, unzeitgemäße Tarifverträge und natürlich die unsachgemäße vierfach Besteuerung des Luftverkehrs durch das Tragen der eigenen Wegekosten, CO2 Steuer, Emissionshandel und Luftverkehrsabgabe vorzugehen. Übrigens – dies zahlen alle hier landenden Airlines – auch die Konkurrenz.

Warum brauchen Deutsche Airlines so viele Wet-Lease-Flugzeuge?

Der Haupt-Grund dafür ist einfach: Jahrelanges Missmanagement. Kaum eine Arline hat den Bedarf richtig eingeschätzt, es mangelt an Flugzeugen und an Personal.

Die typisch deutsche Doppelmoral spielt auch hier eine große Rolle: Während die von Gewerkschaften und Massenmedien Ryanair und andere Billigflieger, und sogar die schlecht zahlenden Wet-Lease-Anbieter die nun aushelfen, genügend Personal finden um zu wachsen und reibungslos einen Flugplan abzufliegen haben die Deutschen Airlines – insbesondere auch die extrem teure Deutsche Lufthansa die sich selbst immer als toller Arbeitgeber darstellt ein großes Problem: Man findet kein Personal zu den angebotenen Bedingungen.

Neben dem Management tragen dafür die Gewerkschaften – die sich eigentlich für Arbeitnehmerinteressen einsetzen sollten – die Hauptschuld. Zu wenig attraktive, starre Tarifmodelle von denen nicht abgewichen werden kann für persönlich passende Lösungen: Nicht jeder will nach Regeln des Tarifvertrages arbeiten. Das ist eine Grundflasche Annahme der Gleichmacherei. Gerade im Luftverkehr und im Tourismus gibt es viele Arbeitskräfte die flexibel sind und auch gerne Saisonverträge oder Teilzeitverträge mit individuellen Konditionen abschließen.


Oder aber denen garantierte Zeit mit der Familie wichtiger sind als ein paar Euros mehr – gerade bei den extrem hohen Löhnen im Luftverkehr spielen ein paar Euros keine wirkliche Rolle.

Wenn ein Vater oder die Mutter nicht ständig nachts an einer Außenbasis schlafen möchte bietet Ryanair hervorragende Modelle, dass man jeden Tag den halben Tag bei seinem Kind sein Kindern sein kann. Ausgenommen z.B. ungewöhnliche Ereignisse, falls tatsächlich mal ein Flug an einer Außenstation zB. wegen Wetter stranden sollte. An kleineren Basen bietet Ryanair sogar flexiblen Schichtausch mit Kollegen an, wenn z.B. das Kind einen Arzttermin hat, ein Konzert in der Schule oder andere Gründe. Ryanair zahlt ausreichend, und ist übrigens auch tarifiert. Und eine der wenigen Airlines die keine Flüge wegen Personalproblemen streichen muss.

Dazu kommen gravierende Managementfehler – während Ryanair und Wizzair ihr Personal hielten, setzten Lufthansa und Co Tausende Mitarbeiter bei dem kurzfristigen Einbruch der Fluggastzahlen während Corona frei – trotz der Staatshilfe die den Sinn hatte, genau diese Entlassungen zu vermeiden. Zudem hat Lufthansa die eigene Pilotenschule in Bremen 2020 kurzerhand dicht gemacht und damit vielen jungen Pilotenanwärtern die Perspektive genommen. Diese Unzuverlässigkeit und den miesen Umgang hat das fliegende Personal nicht vergessen. Kaum jemand den Lufthansa entlassen hatte will nun zurück. Die meisten sind längst bei Ryanair, Wizzair, Emirates, Turkish Airlines – Fluglinien mit langfristig klarer Strategie untergekommen.

Die Deutschen Airlines sind also gar nicht in der Lage ihren Flugbetrieb ohne ausländische Hilfe aufrecht zu erhalten – was aber auch ein Spiegelbild der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung ist. Ein gut gebildeter Flugkapitän kann auch im sonnigen Barcelona, in einer Megametropole wie Dubai oder Istanbul bei deutlich niedrigerer Steuerbelastung und sicheren Zukunftsaussichten arbeiten. Selbst Stationierungen bei einer Billigairline wie Wizzair in Skopje oder Belgrad werden von vielen jungen Piloten mittlerweile vorgezogen – da beim Quervergleich von Gehalt und Lebenshaltungskosten & Qualität viel mehr Geld übrig bleibt.

Für die Deutschen Fluglinien selbst ist das Wet-Lease-Modell kurzfristig natürlich attraktiv – da man so Deutsche Sozialabgaben, Tarifverträge und Sozialabgaben sparen kann, da man nur einen verhandelten Pauschalbetrag pro Flug oder pro Flugzeug & Crew an das ausführende Luftverkehrsunternehmen zahlt, dass seine Mitarbeiter an der Heimatbasis beschäftigt. Zudem können saisonale Schwankungen so hervorragend abgefangen werden, denn im Sommer wird mehr geflogen. Das saisonale Risiko wird also an den Wetlease-Anbieter abgetreten.

Sind Wet-Lease-Anbieter sicher?


Generell sind alle Wetlease Anbieter in Europa sicher. Es gibt keinen Grund Angst zu haben, da es europäische Vorgaben zu beachten gilt. Auch kann man nicht generell sagen, dass die Flugzeuge älter oder schlechter oder weniger effizient wären: Die portugiesische HiFly eine und auch Air Baltic mit ihren A220-300 eine sehr moderne Flotte, während andere wie Avion Express Malta die vor allem auch im Lufthansa-Konzern eingesetzt wird, vor allem sehr alte bei anderen Airlines ausgemusterte Flugzeuge einsetzen. Avion Express hat zum Beispiel einige Flugzeuge übernommen, die bei Wizzair aufgrund des Alters und der damit abnehmenden Zuverlässigkeit ausgeflottet wurden.

Welche Airlines operieren diesen Sommer für wen?

Eurowings Germany:

14 Airbus A 320 von Avion Express Malta, 5 Airbus A 220-300 von airBaltic,

2 Boeing 737-800 von Tuifly – langfristiger Lease im EW Livery

Condor:

3x Airbus A 320 von Bulgarian Air Charter,

1x Airbus A 330 & 2x Airbus A 320 von Heston Airlines, Litauen.

2x FlyAir

41 Airbus A 320 aus Kroatien im Einsatz ab DUS.

2x Airbus A 320 von Bulgaria Air ab Stuttgart

Hinzu kommen 4 Flugzeuge durch die neue Partner Fluglinie Marabu deren Flüge von Condor vertrieben werden und teilweise Condor Flüge ersetzen (Passagiere wurden automatisch umgebucht)

Aktuell betreibt Condor selbst 32 Flugzeuge auf der Kurz&Mittelstrecke – dazu kommen 9 Kurzstreckenjets im Wetlease. Das bedeutet die Chance für Fluggäste die einen Condor Flug gebucht haben am Ende in einem Flugzeug einer anderen Airline zu sitzen liegt bei rund einem Drittel.

Marabu:


1x A 321 von Heston

2x Airbus A 320NEO betrieben von Nordica

Swiss:


8x Airbus A 220-300 von airBaltic

Tui/ Tuifly:

Tuifly als Fluglinie betreibt keine langfristigen Wetlease, hat aber praktisch keine operationellen Reserven und chartert daher häufig kurzfristig am Markt was verfügbar ist. TUI setzt ab gewissen Deutschen Flughäfen andere europäische Airlines saisonal ein um Pauschalreisende zu fliegen oder beauftragt Airlines aus Zielgebieten.