Reiseberichte

Über 1001 Nächte im Hotel

Reisebericht    

50 Jahre unterwegs und das Meiste vergessen. Aber ein paar Erinnerungen bleiben doch. Vom Waldorf Astoria bis zum Bayerischen Hof. (h)

Waldorf-Astoria, die Legende von New York

Waldorf Astoria, New York


Die Erwartungen waren hoch. Immer wieder hatte ich von diesem wunderbaren Hotel gehört, wer da schon alles geschlafen hatte, die lange Geschichte von Luxus und feudalen Bällen. Der Zweifel begann schon an der Eingangstür: abgewrackt. Das Zimmer seit 1930 nicht gestrichen.

Na gut, wenigstens stellte sich das Gefühl der Nostalgie ein. Das hielt, bis wir zum Frühstück wollten. Wir hatten auf einem Business Flur gebucht. Man gönnt sich ja sonst nichts. Vornehm, vornehm, der Flur hatte einen eigenen Frühstücksraum. Nur leider stand eine lange Schlange davor. Alles gestresste Business Leute, die schnell auf einem Café und Croissant vorbeikamen. Stress statt Nostalgie, wenig von der vornehmen Gesellschaft zu sehen. Ärgerlich schauten alle auf die Glücklichen, die schon einen Platz hatten. Und sich offensichtlich bemühten, schnell aufzuessen.

Wir machten die Biege, verzichteten auf das Privileg und gingen in den Frühstücksaal für Normalos im Eingangsbereich. Alles leer, freundliche Bedienung, riesen Buffet. Frühstücksglück.

Times Square, NYC

Ramada, New York


Unser nächster Besuch führte uns an die Kreuzung Broadway und Seventh Avenue. War schon seltsam, erst in einen stinknormalen Fahrstuhl zu steigen, um dann in einer winzigen Lobby anzukommen. OK, war billig. Kein Problem.
Auf dem Broadway eine der üblichen Shows besucht. Danach war es dann schwierig noch einen Drink zu finden, die hunderte von Ratten auf dem Times Square beobachtet, zurück ins Hotel.

Die Bar war noch offen. In einer Nische gab es vier bequeme Stühle, von denen man direkt auf die Kreuzung Broadway und Seventh Avenue sehen konnte. Der gelbe Strom der Taxis schob sich langsam unter mir dahin. Diese Sessel, der seltsamer Weise immer frei war, waren wie gemacht für mich – relaxen pur.

Wenn Sie auf das Bild scheuen, dann ist das Fenster zwischen den riesigen Reklamebildern nicht zu sehen. Aber da ist das Fenster. Leider hat das Hotel wohl seinen Namen geändert, ich konnte es in google nicht mehr finden.

Tower Bridge, auf der linken Seite stand das Hotel

Hotel an der Tower Bridge, London


Ich gebe es zu, ich schlafe gerne in einem ruhigen Zimmer. Schließlich musste ich ja am nächsten Tag arbeiten.
In diesem Hotel war ich sieben Nächte und habe fünfmal das Zimmer gewechselt. Zweimal ohrenbetäubender Lärm von der kreischenden Aircon. Eine Nacht in einem Zimmer, dessen Fenster auf den Müllplatz ging. Morgens kam der Müllwagen mit seinem Warn-Gehupe. Eine weitere Nacht über dem Eingang, dass Fenster war nicht schalldicht und die konnte die ganze Nacht die Gespräche der an- und abfahrenden Gäste mithören. Eine weitere Nacht neben dem Fahrstuhl, dessen Türen sich mit wichtigem Stöhnen ständig öffneten und schlossen.

{loadposition user9}

Holiday Inn, Hannover


Der Mann der Rezeption war nett und höflich, aber sehr verzweifelt. Ja, man hätte meine Buchung irgendwie falsch eingeordnet, sie seien völlig ausgebucht, er hätte da noch ein Zimmer am Ende des Ganges (klang gut für mich, Gangende ist meistens ruhig), es wäre sehr klein (was solls, ich musste lange arbeiten und hatte nicht vor eine Party zu geben) und der Ausblick wäre etwas dunkel (Dunkel? Ich wollte doch nur schlafen. Warum sollte das stören).

Ich nahm das Zimmer.
Es war klein, aber das Bett war ok. Es war dunkel, denn das Fenster ging auf eine hässliche Brandmauer, die keine zwei Meter davor lag. In diesem Zimmer blieb ich drei Wochen, obwohl man mir als Entschuldigung eine Suite anbot. Ich habe herrlich geschlafen. Danke Hannover.

Dusit Thani, Pattaya


5 Sterne, wie 5 Sterne eben so sind. Freundliche Rezeption. Dass auf dem Flur Angestellte mit einem Weih grüßte war gewöhnungsbedürftig, aber ja nicht aufdringlich. Das Zimmer vornehm eingerichtet, dass Bad groß, das Wasser heiß, die Tür zum Flur schalldicht, die Aircon leise, die Nachbarn hörte man nicht, der Pool sauber und fast leer, der Service aufmerksam, das Essen hervorragend, die Massage freundlich und professionell.br />
Abends in der Bar bestellte ich einen Cocktail. Eine wunderschöne Frau brachte ihn herbei, sank auf die Knie und stellte ihn mit einem strahlenden Lächeln auf den Tisch vor meinem Sessel. Vor Schreck wollte ich aufspringen und ihr aufhelfen. Ein alter 68’iger ist es halt nicht gewohnt, dass Frauen vor ihm knien.br />
Ich habe ihr versucht zu sagen, dass dies nicht nötig wäre. Aber sie lächelte mich nur strahlend und stolz an.
Vielleicht ist sie schuld, dass ich jetzt einige Monate im Jahr in Thailand verbringe.

Quinta da Penina

Penina


Was hat das Penina Golfhotel bei Portimãomit mit dem Film „Kanonen von Navarone“ zu tun? Gar nichts, denn in dem Film wurden die Kanonen nie abgeschossen – im Penina schon. Und zwar jeden Morgen um 4.30 Uhr, ungefähr eine dreiviertel Stunde lang.

In der esreten Nacht, habe ich gedacht es ist ein Zufall, so eine Art Unglück, um mir den Schlaf zu räumen. In der dzweiten Nacht habe ich drüber gegrübelt in ein anderes Zimmer umzuziehen. Aber wir schliefen ganz oben und das Geballere kam von unten. In der dritten Nacht, vier Uhr dreißig ist für mich mitten in der Nacht, habe ich mich angezogen und bin auf die Suche gegangen.

Ein Hotel an Frühen Morgen hat ein genz besonderes flair. Tiefer Frieden und Ruhe. Die ganze hektik eines Hotelbetriebes war verschwunden. Ich kann nur jedem raten, dies einmal auszuprobieren. Die Putzfrau mit ihrer Poliermashine war die einzige Person, die ich traf. Ich tauchte immer tiefer in die Untergeschosse des Hotels ein. Riesige Küchen, einsam und blank geputzt. Wirtschaftsräume voller Bettdecken, Stühle und Tische für große Gesellschaften.


Und dann ganz unten, in der hintersten Ecke, stand ein Mann und backte Frühstücksbrötchen. Er hatte einen runden Ofen vor sich mit einem schweren Deckel, in der die Form der Brötchen abgebildet war. Er ließ den Deckel auf den Teich fallen, wartete einige Minuten, hob den schweren Deckel an und ließ ihn gegen die Wand knallen. Bumm.

Irgendwie zufrieden sah ich ihm eine Weile zu. Schließlich bekam ich frisch gebackene Brötchen zum Frühstück. Und außer mir schien das niemanden im Schlaf zu stören. In der nächsten Nacht trug ich zum ersten Mal in meinem Leben Ohrstöpsel.

Hotel Heiligendamm,  Burg Hohenzollern. Ob die Türen immer noch knallen?

Grand Hotel Heiligendamm


Knallen können wir an der Ostsee auch. Und zwar kräftig – mit Türen.
Die Eröffnung des Hotels war eine Sensation. Die Wiederbelebung der Kaiserzeit in seiner Vornehmheit und Blasiertheit. Vorgespielte Kultur, teuer, großkotzig.

Das Hotel war wirklich perfekt renoviert. Bis eben auf die Türen. Die sind wohl immer noch groß, weiß, mir Schmuckleisten verziert. Und schwer – man musste sich schon kräftig drücken, um sie zu öffnen. Das schließen war einfacher. Ein starker Zug oben an der Tür half mächtig mit. Der Zug war stärker als jede Frau und die schwere Tür fiel mit einer Gewalt zu, dass das ganze Gebäude zitterte. Das ging Tag und Nacht so.

Ich habe den Hoteldirektor mal nett darauf angesprochen. Er war freundlich „Das Problem kennen wir.“ Na denn, ich habe das Thema gewechselt. Warum er nicht mit einem Schraubenzieher den Druck verminderte, ist mir bis heute ein Geheimnis geblieben.

Es war ein sehr heißer Sommer, das Hotel war voll und hatte wohl nicht mit so viel Gästen gerechnet. Aber man gab sich Mühe. Zwar kam erst der Hauptgang beim Dinner, und dann die Suppe. Aber es war ja die alte DDR, die hatten das noch nicht so drauf. Auch ein junger Mann gab sich alle Mühe. Er war für die Getränke zuständig und hatte gut zu tun, denn es war ja richtig heiß, das Tablett war immer voll. Beschreiben wir ihn mal als aufgeschossen, dünn und etwas unbeholfen. Ich konnte ihn von meinem Platz gut beobachten und mitleiden, ob er es denn schaffen würde, Wein und Bier an die Tische zu bringen. Er schaffte es immer. Es war wie in einem dieser schwarz-weiss Filmen von Dick und Doof.

Ich wartete fast eine Stunde auf den Gag. Ich wurde belohnt, er stolperte über seine Füße, das ganze Tablett ergoss sich über vier Gäste, die es wirklich verdient hatten, da sie sich ständig lautstark beschwerten.

Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich es lustig fand. Dick und Doof live in einem Hotel, das behauptete zur Spitzengastronomie in Deutschland zu gehören. Die sind nicht ohne Verschulden pleite gegangen.

Übrigens arbeitet das Personal jetzt in leitender Stellung am neuen Berliner Flughafen.

Holen Adlon, einmal im Leben sollten Sie hier schlafen

Hotel Adlon, Berlin gegen Bayerischer Hof, München


Nachdem das Adlon wieder neu eröffnet wurde, wollte ich es so schnell wie möglich besuchen. Schließlich hatte es vor dem 2. Weltkrieg eine große Geschichte und in vielen Filmen „mitgespielt“. Als ich endlich da war, gab es wirklich nichts zu meckern. Alles war Spitzenklasse, wie es zu erwarten war.

Nur der Empfangsbereich mit dem Foyer war eine kleine Enttäuschung. Es ist klein, dunkel und irgendwie nicht weltläufig, eher ein verstaubtes Büro. Das Publikum langweilig. Vielleicht weil die Politiker und Manager sich bescheiden und eher unspektakulär geben.
Hotel Bayerischer Hof und das Montgelas - Palais

Da lobe ich mir den Bayerischer Hof. Nicht nur die bessere Lage zur Innenstadt, sondern auch die Geschäfte drum herum. Und natürlich die Bar am Abend und den urigen Palais Keller, in dem immer ein Bier zu viel getrunken wird – jedenfalls von mir.

Im Foyer das pralle Leben, aktive Menschen. Grosszügiger Bewegungsfreiraum, bei weiß-blauer fröhlicher Luft. Besonders haben mir immer die Headhunter gefallen, die in den bequemen Sesseln bei Unmengen Kaffee die angespannten Bewerber empfingen. Da knisterte die Luft.

{joscommentenable}
.